Der spekulative V ersuch, sich auf Kosten des anderen einen V orteil zu verschaffen, gelingt also nur, solange der andere nicht gleichermaßen egoistisch verfährt. Die individuell rationale Entscheidung bedarf der individuellen Dummheit der anderen, um nicht in kollektive Dummheit umzuschlagen.“ (Wiendeck, 1990, S. 51) Gemeinsame Entscheidungen müssen nicht zwangsweise qualitativ besser ausfallen als Entscheidungen einzelner Individuen. Kollektive Dummheit tritt vor allem dann auf, „ … wenn
- die Gesamtzusammenhänge zwischen den Einzelentscheidungen und den jeweiligen Entscheidungskonsequenzen nicht klar bewußt sind,
- viele Personen beteiligt sind, - die Kommunikation zu ihnen eingeschränkt ist,
- den anderen Teilnehmern ebenfalls eine egoistische Orientierung unterstellt
wird und - sozial kooperative Normen in dieser Entscheidungssituation irrelevant sind. All diese Bedingungen scheinen im spekulativen Börsengeschäft gegeben zu sein.
Das Modellbild des „homo oeconomicus“ trifft in der Realität nicht zu. Sehr viel wahrscheinlicher ist es, dass der Mensch als eine der folgenden Varianten anzusehen ist (vgl. Pinner, 1999, S. 16f.):
- homo emotionalis: die Gefühle dominieren das Verhalten
- homo irrationalis: Gegenteil des „homo oeconomicus“
- homo ludens: Investor, der die Börse als Spiel betrachtet
- homo psychologicus: Realistische Umwelt unter Einbeziehung von eigenen
Wünschen, Einstellungen, Erwartungen und Motiven- homo heuristicus: Faustregeln dominieren das V erhalten