High Frequency Trading die 2te: Gründe und Generationswechsel an der Wallstreet.

High Frequency Trading die 2te: Gründe und Generationswechsel an der Wallstreet.

Hedgefund-Größe Stan Druckenmiller (http://en.wikipedia.org/wiki/Stanley_Druckenmiller) ist in Pension gegangen. Die News ist alt aber einen zweiten Blick wert.

Druckenmiller, Multimilliardär und Trader der so ziemlich alle Marktphasen durchlebt hat, die es bisher gab (mal abgesehen von den 1930er Jahren) hat beiläufig ein Statement bzw. Gründe für seine Pension genannt die die meisten Leute ohne Nachzudenken aufgenommen haben.

Druckenmiller führt an, dass er in den letzten 3 Jahren einfach keine Gelgenheiten für (ausreichend) Profite finden konnte.

“KEINE GELEGENHEITEN FÜR PROFITE”

Dieses Statement von einem der erfolgreichsten Männer in der Investmentbranche.

Was hat sich so fundamental geändert, dass ein Mann wie Druckenmiller seiner Frustration freien Lauf lässt und “das Handtuch wirft”?

Heute haben wir im im Fund in unserer täglichen Marktbesprechung nach dem Close einen Vortrag. Ein ganz besonderer Redner: Joshua Brown, Chef von “http://www.thereformedbroker.com/” (Auch aus der Stocktiwts Community bekannt!) . Seine Vorlesung drehte sich genau um dieses o.g. Thema: Der “neue” Markt – wie wir Herausforderungen und Ausblick.

Joshua führte heute zu Recht an das wir uns in Zeiten einer “Hyperkorrelation” befinden. Die “alten” Regeln gelten nicht mehr. Ende. Der Gesamtmarkt (Commodities, Bonds, Aktien usw.) verhält sich wie ein einziger, riesiger ETF.

Zitat Josh: “It’s all a giant ETF – the “same” game is a new game now”

Doch worum geht es genau?

In meinem letzten Artikel über HFTs:”http://www.daytrading.de/2010/09/high-frequency-trading-und-der-einfluss-auf-das-daytrading/” habe ich erläutert welche technischen Rafinessen den Markt in den letzten Jahren so gravierend geändert haben.

Einige Trader, die noch vor wenigen Jahren erfolgreich gehandelt haben kommen nun ins “Straucheln”. Die Profitabilität leidet, die Gewinne sind längst nicht mehr so groß wie früher. Technische Analyse versagt immer öfter und der durchschnitts-Retail Trader kämpft gegen ungleiche Gegner.

“Yesterdays’s Trade might not work today!”

Was ist passiert?
Betreiben wir nun etwas HFT-Bashing. Neuerdings scheinen die Standardausreden für schlechte Trades folgende zu sein:
“Das Systemtrading besiegt mich”, “HFTs cut me on both sides (bid and ask)”, “Orders match faster then i can see” etc. etc.

Kern der Sache: Algorithmen der Big-Player verarschen den Retailtrader (oder den kleinen Trader im Hedgefund) und “spielen” mit den Marktteilehmern die kaum eine Chance gegen die Geschwindigkeit haben. Setups die sich früher in Tagen entwickelt haben laufen jetzt innerhalb von Stunden ab. Alles ist schneller geworden und der Anspruch an das Trading ist gestiegen.

Der politischen Debatte um ein Verbot der HFTs wird mit dem Über-Argument: “HFTs schaffen doch Liquidität” ein scheinbar unschlagbares Pro entgegnet. Doch schaffen HFTs wirklich Liquidität? Ich sage nein. Volumen sollte man nicht mit Liquidität verwechseln und HFTs machen genau das Ggenteil.

Kurzer Rückblick zum 6 Mai 2010 – Flash Crash. Der Dow Jones stürzt um 300 Punkte ab und der Markt sackt kurz darauf um weitere 700 Punkte in sich zusammen. Warum so schnell und was ist der Grund?

Insides aus der Branche bestätigen heute: Die HFTs haben sich einfach abgestellt und genau in dem Moment in dem Liquidität am meisten gebraucht war den “Schwanz” eingezogen. Das sorgte dafür das mangels Liquidität solche Kursbewegungen möglich waren.

HFTs übernehmen mittlerweile über 70% des Handels an der NYSE und man könnte meinen der Trend sei ungebrochen.
Das Problem welches wir kommen sehen ist allerdings interessant. HFTs benötigen menschliche Ineffizienzen um profitabel handeln zu können. Je weniger Retail-Investoren und Trader am Markt aktiv sind (durch Frustration) desto mehr HFT-Systeme “kämpfen” gegeneinander. Irgendwie klingt das wie Transformers – ist auch ein bisschen so. Was dabei rauskommt ist eine große Masse von Nichts.
Wir traden bereits nach dem Open den Markt nicht mehr bis 1 Stunde vor dem Close weil sich in der Mittagszeit die Roboter untereinander austoben und so laut Statistik die unprofitabelste Handelszeit des Tages entsteht. Warum also partizipieren? Nicht mit uns.

Warum werden denn HFTs nicht einfach abgeschafft?
Die Wurzel des Überls liegt im System selbst. Seitdem die NYSE “full profit” gegangen ist und profitorientiert arbeitet (ganz im Gegensatz zu früher – da war die NYSE einfach nur ein Handelsplatz ohne Profitorientiereung und nur “der Sache wegen”)…steigt die Anzahl der HFTs ins unermessliche.

Warum? Weil die Börse so Ihr Geld verdient! Wir waren gestern auf dem Floor der NYSE – dort tummeln sich nur noch eine Hand voll Trader und wenn man wollte dann könnte man dort eine Rollschuhbahn errichten. Der überwiegende Teil der Protagonisten sind Fernsehteams die für unsere beliebten Börsenmedien täglich live Senden und Educated Guessing betreiben. In Zeiten niedriger Börsengebühren muss der Handelsplatz also anders verdienen:

Es werden Co-Location Plätze verkauft (für die Systeme die dann die beste Anbindung an die Börse haben und so einen Informationsvorteil / Zeitvorteil in der Ausführung haben). Kamerateams zahlen auch fleißig und überhaupt wird alles zu Geld gemacht was der Name “NYSE” hergbit.

Die NYSE ist nicht länger Wächter und Gesteller des “fairen Marktes” sondern verkauft Serverplätze für die Computersysteme von $JPM, $GS oder sonstwehm. (mehr dazu s. hier: “http://en.wikipedia.org/wiki/Diminishing_returns

Anyways: Was kann der Trader tun?
Wer sich nicht anpasst verliert! Das trifft auch auf diese Zeiten zu. Trader müssen sich des “adative leaps” bewusst sein und die neuen Gegebenheiten hinnehmen. In jeder Herausforderung liegt eine neue Chance. Arbitrage lässt sich nicht mehr profitabel handeln (in den meisten Fällen…) – die Computer entdecken die Ineffizienzen zu schnell. Ein Schritt wäre es bereits nicht mehr mit Market-Orders zu handeln sondern nur noch mit Limits. Die HFTs nehmen Ihre market order und verkaufen Sie Ihnen wieder (überspitzt gesagt…) so können Sie nur verlieren.

Die Geschichte wiederholt sich immer! In den 1999 Jahren (im Tech Boom) gab es quasi nur eine handvoll Internet-Stocks. Riesige Stock-Broker sprossen wie heute Starbucks aus dem Boden nur um eine Schnittstelle für den Jedermann zu kreieren der sein Erspartes gerne in den “Tech Boom” stecken wollte. Ein Gelddrucker (über ein paar Monate…) für die Stock-Broker die jeden Tag Profite einsammeln konnten – bis die Blase platzte.

Viele gingen Pleite – einige überlebten. Es überleben immer die, die sich anpassen können (im Tierreich gibt es viele Beispiele – ebenso in der menschlichen Evolution).

Das Credo lautet also: “Observe and Adapt”

Trader brauchen neue Tools, Tools mit denen Sie auf Augenhöhe mit den Maschinen der Großbanken sind. Das bedeutet: niedrige Commissions, schnelle Ausführung und Zugang zu allen Informationen um den Markt an der Quelle zu beurteilen (Level 2, Inside Market, Open Book etc. etc.). Nur wer hier ansetzt hat eine reelle Chance zu gewinnen. Derivatehändler á la CFDs haben denkbar schlechtere Chancen denn hier ergibt sich noch eine zusätzliche Hürde: hohe Kosten, schlechte Daten und marktferne Informationen.

Trader müssen zwangsläufig professioneller werden um langfristig zu gewinnen – doch wir sehen es gerade selbst: es ist problemlos möglich wenn man harte Arbeit investiert. Es macht sogar Spaß die Algorithmen mit Ihren eigenen Waffen zu schlagen – Computer sind einfach nicht so flexibel und plastisch wie menschliche Gehirne – gottseidank.

Auf Grund seiner Anpassungsfähigkeit wird der ernsthafte Trader langfristig siegen. “Observe and Adapt!”

Happy Trading,
PHILIPP

Über den Autor

Quote: "you know less than you think you do" // Location: "Where the money is!"

Kommentare (15):

  1. Danke für den eindrucksvollen Beitrag !

  2. Danke für diesen überaus Informativen Aritkel! Allerdings wird hier nur der Intraday Zeitraum betrachtet, auf Swingebene hat sich nicht viel verändert. Der Kurs drängt nach wie vor nach oben oder unter, oder wie zur Zeit in einer Range.
    Ihr arbeitet natürlich an der Front, direkt im Schützengraben. Ich sehe mich eher als Sniper der alle Zeit der Welt hat das sich ein Trade entwickelt.

  3. naja wir traden schon mehrere Zeitebenen….fuers daytrading allerdings arbeiten wirteilweise mit 1-5 cent Stopps und da macht sich das Algotrading ziemlich bemerkbar!

  4. …ausserdem geht es immer vom “Kleinen ins Grosse”…ein Trend ist die Summe kleiner Trends usw…von daher sollte man sich damit schon beschaeftigen

  5. hey philipp! interessanter artikel!!
    wollte eignetlich während meinem studium, das jetzt bald anfängt, ernsthafter mit dem traden anfangen. das würde dann vermutlich höchstens mit swingtrading, eher aber positionstrading hinhauen. dein artikel nimmt mir den wind aus den segeln :D betrifft das problem, so wie LiveTraded es sagt, eher nur intradaytraiding, oder wird das bald alle zeitebenen beeinflussen?

  6. Hierzu ein aktueller Artikel der FTD zum Thema SEC und High Frequency Trading. Bin mal sehr gespannt ob die Reform durchgesetzt wird. Aber sind Handelsstopps und Zeitminimum für Orders die Lösung des Problems?
    http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/:reform-des-aktienmarkts-sec-geht-gegen-blitztrader-vor/50166836.html

  7. @zeD:
    schoene gruesse vom valentin der gerade neben mir sitzt : “ich hasse ausreden!”

    Nein im Ernst: wenn Du ernsthaft traden moechtest dann geht kein weg daran vorbei dich mit der materie ernsthaft zu beschaeftigen. swingtrading funktioniert – klar aber hast du auch die kontogroesse? bist du dann auch gewappnet fuer die zeiten in denen sich der markt aendert? kannst du es schaffen mit kurzfristigen positionen oder optionen deine swings zu hedgen? was wenn es lange einen seitwaertsmarkt gibt?…gerade als student bietet sich das daytrading an wenn du weisst wie…die spannenste zeit ist das open und das close hier verdienen wir die meisten punkte am tag und das dauert inkl vorbereitung nicht laenger als 4 stunden / tag. bitte nicht verwechseln mit “wenig” arbeit: wir sind hier z.B. knapp 12 Stunden am Tag mit Trading beschaeftig doch die Haupthandelszeit sind das Open und das Close.

  8. Erstklassiger Artikel, und gute Beschreibung der derzeitigen Situation. Habe auch sehr lange in NY und Chicago gelebt und kann die aktuelle Stimmung an der NYSE und CBOT bestätigen. Aber absolut top ist: “Observe and Adapt!”

    Ergänzend sollte man noch sagen: Es gibt auch Menschen, die lieben die Märkte exakt so wie sie jetzt sind.

    Beste Grüße Restraint

  9. :) da ist vielleicht was dran, was nach ausrede klingt. aber ich will vor allem sicher sein, in welchem zeitfenster ich am besten handeln sollte, wenn ich eben nicht jederzeit am markt sein kann. klar, die open bzw close zu handeln könnte zeitlich meistens hinhauen. aber ich dachte bisher, für beruf oder studium wär positionstrading (evtl auf eod-basis) vorteilhafter. da erinner ich mich zurück an nextleveltrader, wo du mit IGMarkets ganz gut abgegangen bist, und glaube auch meist eher auf mehrere tage gehandelt hast. korrigier mich, falls was nicht stimmt :)

    sollte man sich eignetlich auf eine zeitebene konzentrieren? ich bin da noch zögerlich, weil ich, wenn ich mich in die materie einarbeite, auch wissen will, dass funktionieren kann … insofern berücksichtigt, dass ich wegen des studiums nicht so viel zeit haben könnte. du hast doch glaub ich auch medizin nebenher studiert. wie hast du das ganze gemanaged? würd mich brennend interessieren! will euch aber nich die freie zeit stehlen :D

    viele grüße ausm osten ;-)

  10. Hi ZeD,

    Sicherheit gibt es beim Trading nicht. Du sprichtst aber in wichtiges Thema an – Zeitebenen. Generell sollten gerade Beginner darauf achten das die Zeitebenen “synchron” sind. D.h. es Du solltest mit dem uebergeordneten Trend handeln.

    Der Markt aendert sich immer und Positionstrading wirft nicht jeden Tag Profite ab das musst Du aushalten koennen. Mit dem Daytrading kannst Du es schaffen jeden Tag profitabel abzuschliessen – zumindest Dein Risiko extrem zu reduzieren. So kannst Du es schaffen ein nettes Gehalt neben dem Studium zu erwirtschaften. Ausserdem ist das alles eine Frage des Kapitals. Willst Du ernsthaft daytraden benoetigst Du mindestens 25k$ besser 50$ und KEINEN CFD sondern einen “professionellen” Account wo die Kosten gering und die Ausfuehrung gut ist.

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    ich bin da noch zögerlich, weil ich, wenn ich mich in die materie einarbeite, auch wissen will, dass (es) funktionieren kann
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    Es gibt nur eine Sache auf die Du Dich verlassen kannst und das ist Dein Skill. Auf den Markt kannst Du Dich nicht verlassen. Investiere Deine Zeit vorher in ein gutes Training / Coaching sonst ist Dein Geld schneller weg als Du Dir vorstellen kannst…das soll keine Werbung sein sondern ist eine Tatsache. Muesste ich nochmal anfangen wuerde ich niemals mit echtem Geld und unbedarft in den Markt springen sondern sehr genau lernen um was es geht und welche Faktoren eine Rolle spielen.

    Viele Gruesse,
    PHILIPP

  11. “Mit dem Daytrading kannst Du es schaffen jeden Tag profitabel abzuschliessen – zumindest Dein Risiko extrem zu reduzieren. So kannst Du es schaffen ein nettes Gehalt neben dem Studium zu erwirtschaften.”

    Klar, schaffen ja die meisten … und wie es geht, zeigen wir in der nächsten Maus. Ein bisschen pauschal vielleicht :-)

  12. :) u get the point. Kleineres Risiko im Vgl. zum Swingtrading….klaro das nicht jeder Tag profitabel ist.

  13. Danke für die Tipps Philipp!
    Bei der Kontogröße gehts schon los, 25k oder besser 50k hab ich nich. Das heißt für mich wohl, dass nur Positions- oder Swingtrading in Frage kommt. Aber jetzt weiß ich wenigstens bescheid ;)
    Handelt ihr eure Swings bzw Positionstrades eignetlich noch via CFDs?

    viele grüße

  14. vermutlich ist es am sinnvollsten futures zu handeln. wenn du magst koennen wir das hier gerne oeffentlich diskutieren damit jeder was lernen kann wenn kleine konten da sind….

  15. klar! können wir gerne machen!

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